Freistellung für die Gefahrgutklasse 1

Freistellung für die Gefahrgutklasse 1
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Immer wieder kommt es zu Verunsicherungen bezüglich der Freistellung für die Gefahrgutklasse 1. Dabei ist das eigentlich ganz einfach. Aber lassen Sie uns von vorne beginnen. Grundlage ist die Tabelle der höchstzulässigen Mengen nach ADR 1.1.3.6.3.

Wichtig – Die folgenden Mengenangaben in kg beziehen sich ausschließlich auf die NEM (Nettoexplosivstoffmasse) in kg, die im Beförderungspapier immer als solche angegeben werden muss.

Freistellung für die Gefahrgutklasse 1

Beförderungskategorie 0: Es ist gar keine Freistellung erlaubt.

Beförderungskategorie 1: Unterklasse 1.1 B bis 1.1 J, 1.2 B bis 1.2 J, 1.3 C, 1.3 G, 1.3 H, 1.3 J und 1.5 D
Hier sind maximal NEM 20 kg erlaubt.
Ausnahmen: Für die UN-Nummern 0081, 0082, 0084, 0241, 0331, 0332 und 0482 sind maximal NEM 50 kg erlaubt.

Beförderungskategorie 2: Unterklasse 1.4 B bis 1.1 G und 1.6 N
Hier sind maximal NEM 333 kg erlaubt.

Beförderungskategorie 3: Hierzu existiert keine Zuordnung.

Beförderungskategorie 4: Unterklasse 1.4 S
Die höchstzulässige Gesamtmenge ist unbegrenzt bzw. wird nur durch das höchstzulässige Bruttogesamtgewicht der Beförderungseinheit limitiert.

Okay, das war soweit einfach. Wenn also der Fahrer die erlaubten Mengen in den Beförderungskategorien 1 und 2 nicht überschreitet, benötigt er keinen ADR-Schein und auch keine Klasse 1 Aufbauschulung. Der Fahrer muss lediglich den Vorschriften entsprechend unterwiesen worden sein. So weit so gut.

Freistellung für die Gefahrgutklasse 1.4SDas Kuriosum fängt eigentlich erst in der Beförderungskategorie 4 an. Denn hier ist für die Unterklasse 1.4 S die Freistellung für die Gefahrgutklasse 1 unbegrenzt. Theoretisch bedeutet das bei einem Sattelzug eine Zuladung von ungefähr 25.000 kg – kein ADR-Schein, keine Aufbauschulung ist notwendig.

Nehmen wir an, Sie haben 24.000 kg der Gefahrgutklasse 1.4 S und 1.000 kg von UN3077, Umweltgefährdende feste Stoffe der Gefahrgutklasse 9, geladen. Sie kommen auf genau 1000 Punkte und benötigen deshalb folgerichtig keinen ADR Schein. Wenn Sie aber stattdessen 1001 kg der Gefahrgutklasse 9 geladen haben, dann überschreiten Sie die maximal möglichen Mengen für die Beförderungseinheit und alle Freistellungen entfallen. In der Vergangenheit benötigten Sie einen ADR-Schein und zusätzlich den Aufbaukurs für die Gefahrgutklasse 1. Ohne den Aufbaukurs durften Sie jetzt nicht einmal ein Gramm der Unterklasse 1.4 S transportieren.

Nachtrag:

Das hat sich geändert, denn nach ADR 8.2.1.4 sind Stoffe und Gegenstände der Klasse 1, mit der Verträglichkeitsgruppe S, vom Aufbaukurs ausgenommen. Einen ADR-Schein benötigen Sie also nur, wenn Sie die Freistellung von 1000 Punkten durch andere Gefahrgüter überschreiten.

Doch Achtung:

Radioaktive Stoffe der UN-Nummern 2908 bis 2911, freigestellte Versandstücke, gehören ebenfalls der Beförderungskategorie 4 an und dürfen folglich, im Rahmen der Freistellungen nach ADR 1.1.3.6, ebenfalls in unbegrenzten Mengen transportiert werden. Sollte das Limit von 1000 Punkten durch andere Gefahrgüter überschritten werden, gelten diese Freistellungen für radioaktive Stoffe normalerweise nicht mehr, und es wäre deshalb ein Aufbaukurs für die Gefahrgutklasse 7 notwendig.

Durch die Sondervorschrift S5 wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Absatz 8.2.1 für die UN-Nummern 2908  bis 2911 nicht gilt – folglich ist kein Aufbaukurs nötig.
Hingegen bleiben die Vorschriften in Kapitel 8.4, zur Überwachung der Fahrzeuge, weiterhin gültig.

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Gefahrgut heißt deshalb Gefahrgut, weil es wirklich gefährlich ist.

Es gelten immer die jeweils gültigen Fassungen nach ADR, ICAO-TI, IATA DGR und die nationalen Bestimmungen und Gesetze.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das ist so nicht ganz richtig. Der Aufbaukurs ist nicht gefordert, hatte die Diskussion neulich erst mit der Behörde.

    Führer von Fahrzeugen, mit denen gefährliche Güter der Klasse 1, ausgenommen Stoffe und Gegenstände der Unterklasse 1.4, Verträglichkeitsgruppe S, oder der Klasse 7 be­fördert werden, müssen an Aufbaukursen teilgenommen haben, in denen mindestens die in Absatz 8.2.2.3.4 bzw. 8.2.2.3.5 genannten Themen behandelt werden.

    • Hallo Herr Beck,

      leider geben Sie nicht an, was denn eigentlich falsch sein soll. Auch wären nähere Angaben, über was genau Sie mit Behörden diskutiert haben, hilfreich. Die von Ihnen zitierten Vorschriften sagen nur aus, welche Themen in den Aufbaukursen mindestens enthalten sein müssen. Es ist also kein Widerspruch zu finden. Im Gegenteil, Sie widersprechen sich selbst. Denn einerseits behaupten Sie, dass keine Aufbauschulung gefordert ist, zitieren aber gleichzeitig aus dem ADR, wo es heißt, dass eine Aufbauschulung notwendig ist. Unabhängig davon haben die von mir genannten Regelungen auch 2018 Geltung. Das ADR ist da sehr klar.

      Viele Grüße

      Bernd Kesten

  2. Hallo Herr Kesten,

    ich muss bezüglich der Fahrerausbildung Herrn Beck zustimmen. Der zweite Absatz von seinem Kommentar bezieht sich auf 8.2.1.4 ADR, nachdem für die Unterklasse 1.4 S kein Aufbaukurs gem. 8.2.2.3.4 erforderlich ist.

    Für ihr Bespiel im Text reicht somit der Basiskurs gem. 8.2.2.3.2 ADR aus.

    Mit freundlichen Grüßen

    Christian

    • Hallo Christian,
      zunächst einmal Danke für den Kommentar. Leider komme ich erst jetzt dazu, diesen frei zu geben und zu beantworten.
      Nun habe ich mir nochmals mehrfach Ihre Einwände durchgelesen, natürlich auch die von Herrn Beck.
      Wie auch immer – an den Ausführungen von Herrn Beck habe ich etwas falsch verstanden und muss Ihnen beiden Recht geben. In der Tat nimmt ADR 8.2.1.4 Stoffe und Gegenstände der Klasse 1, Verträglichkeitsgruppe S, von der Pflicht zur Aufbaukursen heraus. Da ist definitiv etwas an mir vorbei gegangen. Asche über mein Haupt. Jedenfalls bedanke ich mich bei Ihnen beiden ganz herzlich für die Richtigstellung.
      Meinen Beitrag werde ich durch Kommentare entsprechend korrigieren.

      Mit freundlichen Grüßen

      Bernd Kesten

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