Gefahrgutklassen

Gefahrgutklassen Übersicht

Ob zur Wasser, zu Lande oder in der Luft – die Gefahrgutklassen sind überall gleich

Die Gefahrgutklassen beinhalten diverse Stoffe, die über gleiche Grundeigenschaften verfügen, auch wenn sie industriell unterschiedlich verwendet werden.

Nehmen wir folgende Beispiele:

  • Benzin
  • Aceton
  • Toluol
  • Heizöl

Benzin – na, den Verwendungszweck kennen wohl alle, genauso wie den von Heizöl. Aceton ist ein leicht flüchtiges Lösungsmittel, das man vor allem von Nagellackentfernern kennt. Toluol ist ebenfalls ein Lösungsmittel. Es riecht unangenehm und findet unterschiedliche Einsatzzwecke.

Diese vier Stoffe haben zwei Eigenschaften gemeinsam: Sie sind flüssig, und sie sind entzündbar. Das sind die Grundeigenschaften.
Deshalb wurden sie in die Gefahrgutklasse 3, Entzündbare flüssige Stoffe, eingeordnet. In dieser Klasse befinden sich alle Stoffe, die genau diese Eigenschaften haben. Manche Stoffe können noch weitere Eigenschaften haben, z.B. ätzend oder giftig; dann sprechen wir von einer Neben- bzw. Zusatzgefahr. Es gibt bestimmte Methoden, nach denen die jeweiligen Haupt- und Zusatzgefahren ermittelt werden. Die Hauptgefahr ist immer diejenige, die am stärksten unter den Eigenschaften hervortritt.

Auf die gleiche Weise hat man alle Stoffe, die als Gefahrgut klassifiziert werden konnten, in unterschiedliche Gefahrgutklassen unterteilt – in 9 Gefahrgutklassen, die durchnummeriert sind. Einige sind aufgrund bestimmter, unterschiedlicher Eigenschaften in weitere  Unterklassen unterteilt.
Stellen Sie sich jede Gefahrgutklasse wie eine Schublade in Ihrer Küche vor. In der einen sind nur Bestecke, in einer anderen befinden sich nur Gewürze usw. Auf diese Weise entsteht Ordnung, und genauso verhält es sich bei den Gefahrgutklassen. Wie sonst könnte man bei knapp 4000 Gefahrstoffen Ordnung hinein bringen?
Dieses Ordnungssystem ist für Gefahrgut weltweit gültig. Eine Übersicht finden Sie in der folgenden Tabelle.

Übersicht der Gefahrgutklassen nach ADR und IATA

ADR
Gefahr-gut-
klassen
IATA
Gefahr-gut-
klassen
IATA
Unter-
klassen
Bezeichnung
(Name und Eigenschaft
der Gefahrgut-klassen)
1*1**Explosive Stoffe und Gegenstände mit Explosivstoff
2.122.1Entzündbares Gas
2.222.2Nicht entzündbares, nicht giftiges (erstickend wirkendes) Gas
2.322.3Giftiges Gas
33 –Entzündbare Flüssigkeiten
4.144.1Entzündbare feste Stoffe, selbstzersetzliche Stoffe,
polymerisierende Stoffe*** und desensibilisierte explosive feste Stoffe
4.244.2Selbstentzündliche Stoffe
4.344.3Stoffe, die in Berührung mit Wasser entzündbare Gase bilden
5.155.1Entzündend (oxidierend) wirkende Stoffe
5.255.2Organische Peroxide
6.166.1Giftige Stoffe
6.266.2Ansteckungsgefährliche Stoffe
77 –Radioaktive Stoffe
88 –Ätzende Stoffe
99 –Verschiedene gefährliche Stoffe und Gegenstände**
* unterteilt in die Unterklassen 1.1, 1.2, 1.3, 1.4, 1.5 und 1.6 (gilt auch im ADR)
** einschließlich neuer Eigenschaften für umweltgefährdende Stoffe
*** dieser Begriff wird ab ADR 2017 eingefügt – näheres finden Sie hier

Merke: Die Reihenfolge der Nummerierung der Gefahrgutklassen ist kein Indiz für die Gefährlichkeit, sondern die so festgelegte Nummerierung stellt lediglich eine Hilfe zur besseren Übersicht dar – es ist also ein reines Ordnungsprinzip!

Bitte beachten Sie, dass es, abgesehen von der Klasse 1, nur in den IATA Gefahrgutvorschriften den Begriff von „Unterklassen“ gibt, jedoch nicht im ADR, wenngleich dort sehr wohl die entsprechenden Gefahrzettel verwendet werden. Statt „Unterklasse“ spricht man im ADR weiterhin von „Klasse“. Dies gilt für die Klassen 2, 4, 5 und 6.
In diesem Blog halte ich mich ungeachtet dessen stets an den Begriff „Unterklasse“ bzw., wenn die Unterklasse thematisch für sich allein behandelt wird, werde ich den Begriff Gefahrgutklasse verwenden.
Sie erkennen eine Unterklasse immer an dem Punkt und der darauffolgenden Zahl, die der eigentlichen Klassenzahl folgen – z.B.: 2.1

Was haben die Ausdrücke „Klasse oder Gefahrklasse oder Gefahrgutklasse“ gemeinsam? Nun, sie meinen alle dasselbe, nämlich die „Schublade“ zum Einordnen von Gefahrgut. Tatsächlich ist nur der Ausdruck „Klasse“ (engl. class) richtig, gefolgt von dem Begriff „Unterklasse“ (engl. devision). Mit der Zeit hat sich die Verwendung von Gefahrgutklasse eingebürgert. Googeln Sie mal nach „Klasse“ oder „Gefahrklasse“. Sie werden unglaublich viele Einträge finden, die mit Gefahrgut gar nichts zu tun haben – angefangen von Versicherungsklassen bis hin zur Berufsgenossenschaft. Einzig beim Begriff „Gefahrgutklasse“ werden Sie fündig, den ich konsequenterweise in meinem Blog übernommen habe. Man will ja schließlich auch gefunden werden. 🙂

Zusatzgefahren

Ein Stoff kann eine Vielzahl von Zusatzgefahren enthalten.
Denken Sie z.B. an Pestizide – sie sind giftig einerseits, andererseits sind sie oft entzündbar.
Wie schon erwähnt, kann nach bestimmten Vorschriften die sogenannte Hauptgefahr herausgefunden werden; dazu dann die Nebengefahr(en) bzw. Zusatzgefahr(en).
GefahrenartenDiese Abbildung zeigt eine Vielzahl von möglichen Gefahren.
Diese können sowohl die Hauptgefahr als auch die Zusatzgefahr sein. Deshalb:

Merke:
Gefahrgüter können eine oder mehrere Gefahren aufweisen.
Wir sprechen dann von einer Hauptgefahr und von einer oder mehreren Neben- bzw. Zusatzgefahren. Auch Abfälle können diese Eigenschaften haben!

Diese Neben- bzw. Zusatzgefahren dürfen keineswegs verharmlost werden, denn sie weisen im vollen Umfang alle Merkmale ihrer Klasse auf! Im Zweifelsfall kann man, ungeachtet der Hauptgefahr, allein schon an den Folgen einer Zusatzgefahr sterben!
Das ist der Grund dafür, dass ich den  Begriff Nebengefahr verniedlichend finde und stattdessen die Verwendung des Begriffs Zusatzgefahr vorziehe.

Die Stoffliste oder auch die Tabelle der gefährlichen Güter

Internationale Übereinkommen haben jedes Gefahrgut in einer Liste aufgenommen, die sogenannte Stoffliste, und ihm eine eigene Nummer, die UN-Nummer, zugewiesen und somit gleichzeitig klassifiziert. Anhand dieser UN-Nummer ist jeder Gefahrstoff und die von ihm ausgehenden Gefahren weltweit eindeutig zu identifizieren.
Einige Gefahrgutklassen haben noch Unterklassen, und eine Klasse hat noch zusätzliche Verträglichkeitsgruppen. Zu jeder Gefahrgutklasse sind Gefahrzettel (engl. Label) entwickelt worden, mit denen ein Versandstück jeder Gefahr entsprechend bezettelt (beklebt, markiert, belabelt, gelabelt) werden muss. Wenn es sich um z.B. Tankfahrzeuge oder Tanks handelt, sei es im Straßen-, Binnenschiffs- oder Eisenbahnverkehr, müssen die Fahrzeuge oder Container selbst entsprechend bezettelt werden. In diesem Blog sprechen wir darüber, allerdings nur für den Straßen- und Luftverkehr.

Für die Gefahrzettel, in der Regel handelt es sich hierbei um selbstklebende, etikettenähnliche Drucke, gibt es Vorschriften hinsichtlich der Gestaltung und der Größe. Sie müssen für Versandstücke eine Größe von 10cm x 10cm haben, für die Kennzeichnung von Fahrzeugen oder Containern, hier werden sie Großzettel oder Placards genannt, 25cm x 25cm. Placards gibt es nicht in der Luftfahrt.
Unabhängig von der Größe eines Gefahrzettels ist die Gestaltung, also das Layout, stets gleich. Diese können Sie in den jeweiligen Gefahrgutklassen einsehen.

Ein Gefahrzettel (Label) als Beispiel

Gefahrgutklasse 4.2

Gefahrgutklasse 4.2

Alle Gefahrzettel müssen rautenförmig auf eine Gefahrgutumschließung (ein Karton, Container, Tank o.ä.) aufgebracht werden. Grundsätzlich steht in der unteren Ecke die Nummer der Klasse und nicht die der Unterklasse.
In diesem Beispiel handelt es sich um die Unterklasse 4.2, geschrieben ist jedoch die Klasse 4. Die einzige Ausnahmen von dieser Regel betreffen die Unterklassen 5.1 und 5.2 – die Gefahrgutaufkleber zeigen die Unterklasse.

Gefahrgutklasse 2.2 – ein Beispiel für ein nicht entzündbares und nicht giftiges Gas:

In der Luftfahrt dürfen diese Gefahrzettel zusätzlich eine Beschriftung in englischer Sprache haben, die die Art der Gefahr erklärt, jedoch darf der eigentliche Sinn eines solchen Labels nicht verfälscht werden.

Dies ist im ADR nicht vorgesehen, jedoch dann erlaubt, wenn es sich um eine Transportkette handelt (siehe auch ADR 1.1.4.2.1), z.B. ein LKW bringt die Fracht zum Flughafen, von wo aus sie abfliegen wird. Gefahrgutklasse 2.2Gefahrgutklasse 2.2In den Gefahrzetteln, die rechts abgebildet sind, sehen Sie die Gasflasche und Beschriftung in weißer Farbe. Sie dürfen auch in schwarzer Farbe abgebildet sein. Beide Variationen sind bei allen Verkehrsträgern erlaubt. Sie dienen dem Kontrast, je nach Untergrund.

Ob ein Fahrzeug kennzeichnungspflichtig ist oder nicht, in jedem Fall muss jedes Versandstück mit Gefahrgut einzeln aufgelistet und das Fahren in einer Transportkette in einem Beförderungspapier vermerkt sein. Dieses muss dem Fahrer immer übergeben werden.

Home

Gefahrgut heißt deshalb Gefahrgut, weil es wirklich gefährlich ist.

Es gelten immer die jeweils gültigen Fassungen nach ADR, ICAO-TI, IATA DGR und die nationalen Bestimmungen und Gesetze.