Gefahrgutklasse 3

Gefahrgutklasse 3 – Entzündbare flüssige Stoffe

Bevor wir zur Gefahrgutklasse 3 im Detail kommen, muss zum näheren Verständnis der Gefährlichkeit eine grundlegende Eigenschaft erläutert werden.

Eine Besonderheit der Gefahrgutklasse 3 – der Dampfdruck

Flüssigkeiten haben eine wichtige physikalische Eigenschaft: Sie haben einen Dampfdruck. Dieser Dampfdruck ist dafür verantwortlich, dass Flüssigkeiten überhaupt verdunsten können. Am besten verstehen wir das am Beispiel unserer Wäsche, die gerade in der Waschmaschine gewaschen wurde und nun draußen auf der Wäscheleine aufgehangen werden soll.

Niedriger Dampfdruck

Je kälter es draußen ist, umso niedriger ist der Dampfdruck, umso langsamer ist der Verdunstungsprozess. Unsere Wäsche wird also eine Zeit lang brauchen, bis sie trocken geworden ist. Tatsächlich können Sie Ihre Wäsche auch bei -20°C draußen aufhängen. Sie wird zwar sofort bretthart gefrieren, aber auch das Eis hat einen Dampfdruck und wird deshalb verdunsten. Wenn Sie sich drei oder vier Tage gedulden, je nach Luftfeuchtigkeit, dann wird Ihre Wäsche getrocknet sein.

Hoher Dampfdruck

Je wärmer es draußen ist, umso höher ist der Dampfdruck, umso schneller läuft der Verdunstungsprozess ab. Unsere Wäsche wird jetzt viel schneller trocknen, was im Sommer oft nur ein bis zwei Stunden dauert.

Der natürliche Dampfdruck

Jede Flüssigkeit hat von Natur aus ihren eigenen Dampfdruck, womit wir nun zu unserer Gefahrgutklasse 3 kommen.
Reiner Alkohol hat einen hohen Dampfdruck und muss deshalb schnell verdunsten. Öffnen Sie eine Flasche mit reinem Alkohol, lassen Sie sie geöffnet stehen, und Sie können den Alkohol nur kurze Zeit später im ganzen Raum riechen. Ein Nagellackentferner, in ihm ist das leicht flüchtige Lösungsmittel Aceton enthalten, verbreitet ebenfalls schnell seinen Geruch. So ist Benzin ist leicht flüchtig, Heizöl hingegen nicht.

Entzündbare Flüssigkeiten selbst brennen nicht

Stellen Sie sich eine Pfütze aus Benzin vor, in die Sie ein brennendes Streichholz werfen. Was passiert? Es entsteht zunächst eine Stichflamme, noch bevor das brennende Streichholz die Pfütze überhaupt erreicht hat. Jetzt stellen Sie sich dasselbe bei einer Pfütze aus Heizöl vor. Was passiert? Das Streichholz fällt brennend in die Pfütze und geht aus. Warum?

Benzin hat einen deutlich höheren Dampfdruck als Heizöl und verdunstet wesentlich schneller. Die so entstandenen Gase vermischen sich mit dem Sauerstoff in der Atemluft, wodurch ein entzündbares Gas-Luftgemisch entsteht. Deshalb passieren immer wieder Unfälle, wenn Leute das Feuer in ihrem Grill beschleunigen wollen und dabei Benzin statt eines sicheren Grillanzünders verwenden. Sie stehen bereits innerhalb dieses Gas-Luftgemischs noch bevor sie ihr Streichholz oder ähnliches anzünden. Zünden sie es dann an, befinden sie sich sofort inmitten eines Feuerballs. In geschlossenen Räumen kann das zu einer Verpuffung, sprich Explosion, führen.
Bei Heizöl passiert das wegen dem zu niedrigen Dampfdruck nicht. Es entstehen einfach nicht genügend Gase, die einfach so zur Entzündung gebracht werden können.

Merke: Es sind immer die Gase aus der Verdunstung, die brennen – niemals die Flüssigkeit selbst.

Das ist der Grund dafür, dass z.B. beim Betanken eines Fahrzeugs nicht geraucht werden darf und elektrisches Licht, offenes Feuer und Funkenbildung unbedingt vermieden werden müssen. Die Gase, die aus dem Tankeinfüllstutzen kommen, sind extrem leicht entzündlich.

Übersicht zur Gefahrgutklasse 3

Hauptgefahr

Gefahrgutklasse 3

Gefahrgutklasse 3

Gefahrgutklasse 3

Entzündbare flüssige Stoffe

Zusatzgefahr

Gefahrgutklasse 8

Gefahrgutklasse 8 Ätzende Stoffe

Gefahrgutklasse 6.1

Unterklasse 6.1 Giftige Stoffe

GHS-Piktogramm

GHS 02

GHS 02

Merke: Explosionsgefahr bei Verdampfung!

  • Entzündbar
  • Brennbar
  • Explosiv
  • Ätzend
  • Giftig
  • Wassergefährdend

Besondere Maßnahmen im Schadensfall:

  • Zündquellen entfernen, unwirksam machen, fernhalten! (Elektrostatische Aufladung, Schlagfunken …)
  • Eindringen in Kanalisation und tiefliegende Räume verhindern (Kanalisation abdecken)

Eine weitere, sehr wichtige Eigenschaft der Gefahrgutklasse 3

Wenn diese Flüssigkeiten verdunsten, also in den Gaszustand übergehen, nehmen sie alle Gefahreigenschaften, die sie besitzen, in diesen Zustand mit. Das heißt, wenn eine Flüssigkeit entzündbar ist und als Zusatzgefahr ätzend oder giftig ist, dann bleiben diese Gefahren auch im Gaszustand bestehen. Tatsächlich breiten sie sich auf diese Weise sogar weiter aus als es eine Flüssigkeit könnte. Denken Sie dabei z.B. an die Atemluft – Sie müssen atmen. Wenn dann die Atemluft ätzend oder giftig ist, dann wird es richtig problematisch. Es muss dabei noch nicht einmal gebrannt haben!
Sie merken es wahrscheinlich, hier habe ich nur von den Zusatzgefahren gesprochen, und die haben es wirklich in sich.

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Gefahrgut heißt deshalb Gefahrgut, weil es wirklich gefährlich ist.

Es gelten immer die jeweils gültigen Fassungen nach ADR, ICAO-TI, IATA DGR und die nationalen Bestimmungen und Gesetze.