Gefahrgutklasse 4.1 Entzündbare feste Stoffe…

Der Begriff der Gefahrgutklasse 4.1 umfasst:  Entzündbare Stoffe und Gegenstände, desensibilisierte explosive Stoffe, sowie selbstzersetzliche feste oder flüssige Stoffe. Ab dem 01.01.2017 wird dieser Begriff um „Polymerisierende Stoffe“ erweitert – siehe hierzu auch diesen Beitrag -, sodass dann die korrekte Bezeichnung lautet:

Gefahrgutklasse 4.1 Entzündbare feste Stoffe, selbstzersetzliche Stoffe, polymerisierende Stoffe und desensibilisierte explosive feste Stoffe

Übersicht zur Gefahrgutklasse 4.1 – Haupt- und Zusatzgefahren

Hauptgefahr

Gefahrgutklasse 4.1

Zusatzgefahr

Gefahrgutklasse 6.1

Gefahrgutklasse 6.1 – Giftige Stoffe

Gefahrgutklasse 1

Gefahrgutklasse 1 – Explosive Stoffe

Gefahrgutklasse 8

Gefahrgutklasse 8 – Ätzende Stoffe

GHS Piktogramm

GHS 01

GHS 01

GHS 02

GHS 02

Merke:

  • Bei Feuer können giftige Gase entstehen.
  • Leicht entzündbar durch Funken, Feuer, heiße Gegenstände (Auspuff)
  • In trockenem Zustand explosiv
  • Stäube können explodieren

ACHTUNG

Bestimmte selbstzersetzliche Stoffe dieser Klasse reagieren empfindlich auf Wärme, wie direkte Sonneneinstrahlung, Wärmestau und andere Wärmequellen. Hierdurch kann spontan eine chemische, explosive Reaktion ausgelöst werden.

Unterteilung nach Gefährdungsgrad in Verpackungsgruppen:

  • II  = mittlere Gefahr
  • III  = geringe Gefahr

Beispiele:

  • Aluminiumpulver
  • Kautschuk Zelluloid
  • Schwefel
  • Feste Stoffe, die entzündbare flüssige Stoffe enthalten
  • Schwefel
  • Putzlappen, die mit brennbaren Flüssigkeiten getränkt sind
  • Öl-, Benzin- und Dieselfilter
  • Nitrocellulose
  • Magnesium-, Aluminiumpulver
  • Explosive Stoffe in nicht explosivem Zustand für den Transport (desensibilisierte explosive Stoffe)

Besondere Maßnahmen im Schadensfall:

Zündquellen entfernen, unwirksam machen, fernhalten! (Reibung, Funkenflug, elektrostatische  Aufladung …)

Die Gefahrgutklasse 4.1 ist die Klasse mit den umfangreichsten Eigenschaften, auf die nachstehend ausführlich Bezug genommen wird.

Entzündbare feste Stoffe

Begriffsbestimmungen entzündbare feste Stoffe:

Entzündbare feste Stoffe sind leicht brennbare, feste Stoffe und feste Stoffe, die durch Reibung in Brand geraten können. Leicht brennbare, feste Stoffe sind pulverförmige, körnige oder pastöse Stoffe, die gefährlich sind, wenn sie durch einen kurzen Kontakt mit einer Zündquelle, wie einem brennenden Zündholz, leicht entzündet werden können und sich die Flammen schnell ausbreiten. Die Gefahr kann dabei nicht nur vom Feuer, sondern auch von giftigen Verbrennungsprodukten ausgehen. Metallpulver sind wegen der Schwierigkeit beim Löschen eines Feuers besonders gefährlich, da normale Löschmittel, wie Kohlendioxid oder Wasser, die Gefahr vergrößern können.

Selbstzersetzliche Stoffe

Begriffsbestimmungen selbstzersetzliche Stoffe

Für Zwecke des ADR sind selbstzersetzliche Stoffe thermisch instabile Stoffe, die sich selbst ohne Beteiligung von Sauerstoff (Luft) stark exotherm zersetzen können.
Stoffe gelten nicht als selbstzersetzliche Stoffe der Klasse 4.1, wenn sie

  • explosive Stoffe gemäß den Kriterien der Klasse 1 sind;
  • entzündend (oxidierend) wirkende Stoffe gemäß dem Klassifizierungsverfahren der Klasse 5.1 sind (siehe Unterabschnitt 2.2.51.1), ausgenommen Gemische mit entzündend (oxidierend) wirkender Stoffe, die mindestens 5 % brennbare organische Stoffe enthalten und die dem in Bemerkungen 2 festgelegten Klassifizierungsverfahren zu unterziehen sind;
  • organische Peroxide gemäß den Kriterien der Klasse 5.2 sind (siehe Unterabschnitt 2.2.52.1);

oder ihre

  • Zersetzungswärme geringer als 300 J/g ist oder
  • Temperatur der selbstbeschleunigenden Zersetzung (SADT) (siehe Bemerkung 3) bei einem Versandstück von 50 kg höher als 75 °C ist.

Bemerkungen

  1. Die Zersetzungswärme kann durch eine beliebige international anerkannte Methode bestimmt werden, z. B. der dynamischen Differenz- Kalorimetrie und der adiabatischen Kalorimetrie.
  2. Gemische entzündend (oxidierend) wirkender Stoffe, die den Kriterien der Klasse 5.1 entsprechen, mindestens 5 % brennbare organische Stoffe enthalten und nicht den in Absatz a), c), d) oder e) aufgeführten Kriterien entsprechen, sind dem Klassifizierungsverfahren für selbstzersetzliche Stoffe zu unterziehen.
    Die Gemische, welche die Eigenschaften selbstzersetzlicher Stoffe der Typen B bis F aufweisen, sind als selbstzersetzliche Stoffe der Klasse 4.1 zu klassifizieren.
    Und Gemische, welche nach dem Grundsatz des Handbuchs Prüfungen und Kriterien Teil II Unterabschnitt 20.4.3 g) die Eigenschaften selbstzersetzlicher Stoffe des Typs G aufweisen, gelten für Zwecke der Klassifizierung als Stoffe der Klasse 5.1 (siehe Unterabschnitt 2.2.51.1).
  3. Die Temperatur der selbstbeschleunigenden Zersetzung (SADT) ist die niedrigste Temperatur, bei der sich ein Stoff in versandmäßiger Verpackung exotherm zersetzen kann. Im Handbuch Prüfungen und Kriterien Teil II Kapitel 20 und Abschnitt 28.4 sind die notwendigen Vorschriften zur Bestimmung dieser Temperatur enthalten.
  4. Stoffe, welche die Eigenschaften von selbstzersetzlichen Stoffen aufweisen, sind als solche zuzuordnen, selbst wenn diese Stoffe nach Absatz 2.2.42.1.5 ein positives Prüfergebnis für die Zuordnung zur Klasse 4.2 aufweisen.

Eigenschaften

Die Zersetzung von selbstzersetzlichen Stoffen kann durch Wärme, Kontakt mit katalytischen Verunreinigungen (z.B. Säuren, Schwermetallverbindungen, Basen), Reibung oder Stoß ausgelöst werden. Die Zersetzungsgeschwindigkeit nimmt mit der Temperatur zu und ist je nach Stoff unterschiedlich. Eine Zersetzung kann, besonders wenn keine Entzündung eintritt, die Entwicklung giftiger Gase oder Dämpfe zur Folge haben.
Bei bestimmten selbstzersetzlichen Stoffen muss die Temperatur kontrolliert werden. Bestimmte selbstzersetzliche Stoffe können sich vor allem unter Einschluss explosionsartig zersetzen. Diese Eigenschaft kann durch Hinzufügen von Verdünnungsmitteln oder die Verwendung geeigneter Verpackungen verändert werden. Bestimmte selbstzersetzliche Stoffe brennen heftig. Selbstzersetzliche Stoffe sind zum Beispiel bestimmte Verbindungen der unten angegebenen Typen:

aliphatische Azoverbindungen (-C-N=N-C-);
organische Azide (-C-N3); Diazoniumsalze (-CN2 +Z-);
N-Nitrosoverbindungen (-N-N=O);
aromatische Sulfohydrazide (-SO2-NH-NH2).

Diese Aufzählung ist unvollständig, Stoffe mit anderen reaktiven Gruppen und bestimmte Stoffgemische können ähnliche Eigenschaften haben.

Zuordnung

Selbstzersetzliche Stoffe werden aufgrund ihres Gefahrengrades in sieben Typen eingeteilt. Die Typen reichen von Typ A, der nicht zur Beförderung in der Verpackung, in der er geprüft worden ist, zugelassen ist, bis zu Typ G, der nicht den Vorschriften für selbstzersetzliche Stoffe der Klasse 4.1 unterliegt. Die Zuordnung der selbstzersetzlichen Stoffe der Typen B bis F steht in unmittelbarer Beziehung zu der zulässigen Höchstmenge in einer Verpackung. Die für die Zuordnung anzuwendenden Grundsätze sowie die anwendbaren Zuordnungsverfahren, Prüfmethoden und Kriterien und ein Muster eines geeigneten Prüfberichts sind im Handbuch Prüfungen und Kriterien Teil II aufgeführt.

Gefahrgutklasse 4.1 – Besonderheit für die Luftfahrt bei selbstzersetzlichen Stoffen

Gefahrgutklasse 4.1Keep away from heat

Um eine mögliche Selbstzersetzung aufgrund der Einwirkung von äußerer Wärme zu verhindern, ist in der Luftfahrt ggfls. dieses Abfertigungskennzeichen „Keep away from heat“ zusätzlich zum Hauptgefahrenlabel auf das Versandstück anzubringen. Wenn das geschieht, muss gleichzeitig in der Versendererklärung (Shipper’s Declaration of Dangerous Goods) in die Handling Information der folgende Satz eingetragen werden:

„This package must be protected from direct sunlight and all sources of heat and be placed in adequately ventilated areas.“

Sollten auf einer Shipper’s Declaration mehr als nur eine UN-Nummer verzeichnet sein, muss auf die konkrete UN-Nummer Bezug genommen werden. Das kann dann z.B. so aussehen:

„The package containing UN3226 must be protected from direct sunlight and all sources of heat and be placed in adequately ventilated areas.“

Wenn es sich hierbei um mehr als ein Versandstück handelt, ist der Plural in der Englischen Sprache anzuwenden, z.B. “ These packages…“ oder „The packages containing…“.

Desensibilisierte explosive feste Stoffe

Begriffsbestimmung desensibilisierte explosive Feststoffe

Desensibilisierte explosive feste Stoffe sind Stoffe, die mit Wasser oder mit Alkoholen angefeuchtet oder mit anderen Stoffen verdünnt sind, um ihre explosiven Eigenschaften zu unterdrücken. In Kapitel 3.2, Tabelle A, ADR, sind dies die Eintragungen der UN-Nummern:

1310, 1320, 1321, 1322, 1336, 1337, 1344, 1347, 1348, 1349, 1354, 1355, 1356, 1357, 1517, 1571, 2555, 2556, 2557, 2852, 2907, 3317, 3319, 3344, 3364, 3365, 3366, 3367, 3368, 3369, 3370, 3376, 3380 und 3474.

Seien Sie im Umgang mit der Gefahrgutklasse 4.1 besonders umsichtig, da die vielen möglichen Eigenschaften unbedingt berücksichtigt werden müssen.

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Gefahrgut heißt deshalb Gefahrgut, weil es wirklich gefährlich ist.

Es gelten immer die jeweils gültigen Fassungen nach ADR, ICAO-TI, IATA DGR und die nationalen Bestimmungen und Gesetze.