Gefahrgutklasse 5.1

Gefahrgutklasse 5.1 Entzündend (oxidierend) wirkende Stoffe

Begriffsbestimmung der Gefahrgutklasse 5.1

Der Begriff der Gefahrgutklasse 5.1 umfasst Stoffe, die obwohl selbst nicht notwendigerweise brennbar, im Allgemeinen durch Abgabe von Sauerstoff einen Brand verursachen oder einen Brand anderer Stoffe unterstützen können, sowie Gegenstände, die solche Stoffe enthalten.

Chemisch instabile Stoffe

Die chemisch instabilen Stoffe der Gefahrgutklasse 5.1 sind zur Beförderung nur zugelassen, wenn die erforderlichen Maßnahmen zur Verhinderung jeglicher gefährlichen Zerfalls- oder Polymerisationsreaktion während der Beförderung getroffen wurden. Zu diesem Zweck muss insbesondere dafür gesorgt werden, dass die Gefäße und Tanks keine Stoffe enthalten, die diese Reaktionen begünstigen können.

Sauerstoff ist aus verschiedenen Gründen ein gefährlicher Stoff, obwohl wir ihn zum Atmen brauchen.

Eisen z.B. rostet an der Luft, weil eine chemische Reaktion mit Sauerstoff entsteht. Je reiner die Sauerstoffkonzentration ist, umso stärker sind diese Reaktionen, die man auch Oxidationen nennt, bei denen Wärme entsteht. So kann es zu Selbstentzündungen kommen, je nach Stoff, mit dem der Sauerstoff reagiert.

Tatsächlich können Stoffe auf einmal anfangen zu brennen, von denen wir wissen, dass sie bei normaler Sauerstoffkonzentration (21% in unserer Atemluft) nicht oder zumindest nicht so ohne weiteres brennen können, denken Sie dabei mal an Kunststoff. Bei hohen Sauerstoffkonzentrationen fackelt Kunststoff regelrecht ab.

Aber Sauerstoff hat noch eine andere, weit unterschätzte Eigenschaft. Er unterstützt andere Stoffe in ihrem Gefahrenpotential.

Zum Beispiel Benzin: Wir alle wissen, dass Benzin leicht brennt. Stellen Sie sich ein Lager vor, in dem ein paar Kanistern Benzin brennen. Sauerstoff ist in unmittelbarer Nähe gelagert und wird freigesetzt. Da kann die Feuerwehr lange versuchen, den Brand zu löschen, wenn immer wieder frischer und vor allem reiner Sauerstoff hinzukommt.

Brände mit hohem Sauerstoffgehalt brennen viel heißer als andere. Ein Streichholz z.B. brennt mit ungefähr 800°C. Fügt man reinen Sauerstoff hinzu, kann diese Temperatur leicht auf 1100°C und höher steigen.

Übersicht zur Gefahrgutklasse 5.1:

Hauptgefahr

Gefahrgutklasse 5.1

Gefahrgutklasse 5.1

Zusatzgefahr

Gefahrgutklasse 6.1

Gefahrgutklasse 6.1 – Giftige Stoffe

Gefahrgutklasse 8

Gefahrgutklasse 8 – Ätzende Stoffe

GHS Piktogramm

GHS 03

GHS 03

Merke: Kontakt mit brennbaren Stoffen vermeiden

  • Vermischung mit anderen Stoffen führt zur Entzündung
  • Reibung kann Entzündung bewirken
  • Stoß kann Entzündung bewirken
  • Explosionsfähig
  • Ätzwirkung
  • Gesundheitsschädlich
Unterteilung nach Gefährdungsgrad
in Verpackungsgruppen:

I      = stark entzündend (oxidierend) wirkend

II    = entzündend (oxidierend) wirkend

III  = schwach entzündend (oxidierend) wirkend

Beispiele:

  • Wasserstoffperoxyd
  • Chlorate, Perchlorate
  • Permanganate
  • Persulfate
  • Ammoniumnitrat, flüssig
  • Nitrate
  • Calciumhypochlorid
  • Natriumnitrat
  • Chromiumtrioxid
  • Ammoniumnitrathaltige Düngemittel
Besondere Maßnahmen im Schadensfall:

Berührung von verschüttetem Ladegut mit anderen Stoffen verhindern –Brand- und Explosionsgefahr!

Folgende Stoffe und Gemische der Gefahrgutklasse 5.1 sind zur Beförderung nicht zugelassen:

  • Entzündend (oxidierend) wirkende feste Stoffe, selbsterhitzungsfähig, die der UN-Nummer 3100, entzündend (oxidierend) wirkende feste Stoffe, mit Wasser reagierend, die der UN-Nummer 3121, und entzündend (oxidierend) wirkende feste Stoffe, entzündbar, die der UN-Nummer 3137 zugeordnet sind, es sei denn, sie entsprechen den Vorschriften der Klasse 1 (siehe Unterabschnitt 2.1.3.7);
  • nicht stabilisiertes Wasserstoffperoxid oder nicht stabilisierte wässerige Lösungen von Wasserstoffperoxid mit mehr als 60 % Wasserstoffperoxid;
  • Tetranitromethan, nicht frei von brennbaren Verunreinigungen;
  • Lösungen von Perchlorsäure mit mehr als 72 Masse-% Säure oder Gemische von Perchlorsäure mit irgendeinem flüssigen Stoff außer Wasser;
  • Lösung von Chlorsäure mit mehr als 10 % Chlorsäure oder Gemische von Chlorsäure mit irgendeinem flüssigen Stoff außer Wasser;
  • andere halogenierte Fluorverbindungen als UN 1745 BROMPENTAFLUORID, UN 1746 BROMTRIFLUORID und UN 2495 IODPENTAFLUORID der Klasse 5.1 sowie UN 1749 CHLORTRIFLUORID und UN 2548 CHLORPENTAFLUORID der Klasse 2;
  • Ammoniumchlorat und seine wässerigen Lösungen sowie Gemische von Chlorat mit einem Ammoniumsalz;
  • Ammoniumchlorit und seine wässerigen Lösungen sowie Gemische eines Chlorits mit einem Ammoniumsalz;
  • Hypochloritgemische mit einem Ammoniumsalz;
  • Ammoniumbromat und seine wässerigen Lösungen sowie Gemische eines Bromats mit einem Ammoniumsalz;
  • Ammoniumpermanganat und seine wässerigen Lösungen sowie Gemische eines Permanganats mit einem Ammoniumsalz;
  • Ammoniumnitrat mit mehr als 0,2 % brennbaren Stoffen (einschließlich aller organischen Stoffe als Kohlenstoff-Äquivalent), ausgenommen als Bestandteil eines Stoffes oder Gegenstandes der Klasse 1;
  • Düngemittel mit Gehalten an Ammoniumnitrat (bei der Bestimmung des Ammoniumnitratgehaltes müssen alle Nitrat-Ionen, für die im Gemisch ein Äquivalent von Ammonium-Ionen vorhanden ist, als Ammoniumnitrat gerechnet werden) oder brennbaren Stoffen über den in der Sondervorschrift 307 angegebenen Werten, ausgenommen unter den Bedingungen der Klasse 1;
  • Ammoniumnitrit und seine wässerigen Lösungen sowie Gemische von einem anorganischen Nitrit mit einem Ammoniumsalz;
  • Gemische von Kaliumnitrat und Natriumnitrit mit einem Ammoniumsalz.

Zurück zu den 9 Gefahrgutklassen

Gefahrgut heißt deshalb Gefahrgut, weil es wirklich gefährlich ist.

Es gelten immer die jeweils gültigen Fassungen nach ADR, ICAO-TI, IATA DGR und die nationalen Bestimmungen und Gesetze.