Verpackungsgruppen und ihre Bedeutung

Verpackungsgruppen und ihre Bedeutung
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Gefahrstoffe werden aufgrund ihres Gefahrengrades Verpackungsgruppen zugeordnet. Davon sind nicht die Stoffe betroffen, die zu den Gefahrgutklassen 1, 2, 5.2, 6.2 und 7 gehören, sowie die selbstzersetzlichen Stoffe der Klasse 4.1. Gegenstände sind ebenfalls keinen Verpackungsgruppen zugeordnet.

Die Bestimmung der richtigen Verpackungsgruppen ist wichtig.

Die richtigen Verpackungsgruppen von Stoffen in der Stoffliste der ADR Gefahrgutvorschriften, Tabelle A, auszuwählen, ist eine sehr wichtige Voraussetzung für die

  1. korrekte Berechnung von Punkten im Rahmen der Freistellungen nach ADR 1.1.3.6.,
  2. die Auswahl der richtigen Gefahrgutverpackungen, um einen sicheren Gefahrguttransport zu gewährleisten
  3. und außerdem die Anwendung der richtigen Sondervorschriften.

Mit Hilfe von Verpackungsgruppen (VG), sie werden in römischen Zahlen angegeben, werden viele Stoffe in sich selbst noch einmal in drei Gefahrstufen unterteilt oder einer dieser Stufen zugeordnet:

I           oder VG I        = hohe Gefahr
II          oder VG II       = mittlere Gefahr
III         oder VG III      = geringe Gefahr

Warum gibt es überhaupt Verpackungsgruppen?

Denken Sie dabei noch einmal an unser Benzin. Wir alle wissen, dass Benzin sehr leicht entzündbar ist. Diesel jedoch ist nicht leicht entzündbar. Warum gibt es diesen Unterschied? Siehe hierzu auch die detaillierte Erklärung zur Gefahrgutklasse 3.

Dampfdruck und VerpackungsgruppenJede Flüssigkeit hat einen Dampfdruck (eine physikalische Eigenschaft) und muss deshalb verdunsten. Je höher die Umgebungstemperatur ist, umso höher ist der Dampfdruck. Erinnern Sie sich einmal an die feuchte Wäsche, die draußen auf der Wäscheleine aufgehangen wird. Sie trocknet im Sommer schneller als im Winter. Genauso verhält es sich mit den entzündbaren Flüssigkeiten, nur können sie in der Regel einen sehr unterschiedlichen Dampfdruck haben. Wenn man jetzt noch weiß, dass niemals die Flüssigkeiten selbst brennen, sondern immer nur die Gase, die durch Verdunsten gebildet werden, wird die Sache, in Verbindung mit dem in unserer Atemluft befindlichen Sauerstoff, langsam klar.

Benzin hat einen deutlich höheren Dampfdruck als Diesel – folglich ist Benzin wesentlich gefährlicher als Diesel. Maßstab dafür sind der Siedepunkt und der Flammpunkt. Aus diesen Werten werden die richtigen Verpackungsgruppen bestimmt.

Flammpunkt und Siedepunkt

Flammpunkt und VerpackungsgruppenDer Flammpunkt ist die Temperatur, bei der sich an der Oberfläche von entzündbaren Flüssigkeiten zum ersten Mal entzündbare Dämpfe entwickeln, die mit Hilfe einer Zündquelle erstmals entzündet werden können. Je niedriger der Flammpunkt ist, desto größer ist die Gefahr.

Der Siedepunkt ist die Temperatur, bei der eine Flüssigkeit in den gasförmigen Zustand übergeht.

Einteilung in Verpackungsgruppen

Was hier beschrieben wurde, sind die direkten Eigenschaften einer entzündbaren Flüssigkeit, wie sie sie von Natur aus hat. Die Gefährlichkeit kann aber auch manuell beeinflusst werden; denken Sie dabei einmal an Alkohol.

Reiner Alkohol ist zu ungefähr 96Vol% Reinheit zu bekommen, verdunstet schnell und ist leicht entzündbar.
Verdünnt man ihn mit Wasser, wie das z.B. bei Stroh Rum mit 80Vol% der Fall ist, brennt der zwar immer noch schnell, aber nicht mehr so schnell und so stark wie reiner Alkohol.
Eine weitere Verdünnung finden wir z.B. bei Rum mit 54Vol%. Hier brennt der Alkohol ganz schwach mit einer blauen, leicht gelblichen Flamme; ist also längst nicht mehr so gefährlich.
Unter 50Vol% ist der Alkohol nicht mehr entzündbar.

Eine entzündbare Flüssigkeit wird ab einem Flammpunkt von 60°C oder kleiner als Gefahrgut eingeordnet. Flüssigkeiten mit einem höheren Flammpunkt als 60°C sind kein Gefahrgut mehr.
Somit ist außerdem klar, dass Stoffe mit hoher Gefahr die Grenzen für Freistellungen wesentlich schneller erreichen müssen, als andere Stoffe mit niedrigerer Gefahr.

Gefahrgutverpackungen

Es doch einleuchtend, dass Verpackungen, die Gefahrgut beinhalten und schützen sollen, deutlich stabiler und widerstandsfähiger sein müssen als Verpackungen für normale Fracht.
Folglich wurden die Anforderungen und Prüfverfahren für Verpackungen entwickelt. Nur eine geprüfte und amtlich zugelassene Verpackung darf als Gefahrgutverpackung verwendet werden. Außerdem muss sie mit einem speziellen Code, der UN-Markierung, versehen sein.

Ich denke, dass Ihnen spätestens jetzt klar ist, warum eine Unterscheidung in Verpackungsgruppen erfolgen muss. Daraus müssen jetzt auch zwangsläufig Konsequenzen für Gefahrgutverpackungen gezogen werden.

Für eine Verpackung, die eine Zulassung als Gefahrgutverpackung erhalten soll, muss bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) ein Antrag auf Zulassung gestellt werden. Daraufhin wird die Bauart der Verpackung untersucht und verschiedenen Belastungstests unterzogen. Wenn die Verpackung diese Tests bestanden hat, erhält der Hersteller eine Musterzulassung. Diese Musterzulassung ordnet die Verpackung einem von drei Leistungsbuchstaben zu – das sind entweder X oder Y oder Z. Erst ab jetzt darf die Verpackung Gefahrgutverpackung genannt werden und sie muss mit der UN-Markierung dauerhaft versehen sein.

Die Leistungsbuchstaben einer Gefahrgutverpackung

X, Y, Z: Leistungsbuchstaben der bauartgeprüften Verpackung für die Verpackungsgruppen I, II oder III

Verpackungsgruppen und GefahrgutverpackungenMit den Verpackungsgruppen werden auch die Anforderungen an Tanks festgelegt.

In dieser Grafik sehen Sie ein von rechts nach links ansteigendes Dreieck. Der Anstieg selbst symbolisiert die ansteigende Gefahr; links, in der höchsten Gefahr, durch die rote Farbe dargestellt und rechts, in der geringsten Gefahr, durch die grüne Farbe.

Die Bedeutung der Leistungsbuchstaben in der Praxis

Der Leistungsbuchstabe X sagt aus, dass diese Verpackung zur Aufnahme oder Verpackung von Stoffen mit der höchsten Gefahr, also Verpackungsgruppe I, geeignet ist.
Wenn nun der Leistungsbuchstabe X die Aufnahme von hohen Gefahren erlaubt, dann ist es doch logisch, dass jede geringere Gefahr hier ebenfalls verpackt werden darf. Folglich dürfen hierin Stoffe mit den Verpackungsgruppen I, II und III verpackt werden.

Der Leistungsbuchstabe Y sagt aus, dass diese Verpackung zur Aufnahme oder Verpackung von Stoffen mit mittlerer Gefahr, also maximal Verpackungsgruppe II, geeignet ist.
Wenn nun der Leistungsbuchstabe Y die Aufnahme von mittleren Gefahren erlaubt, dann ist es genauso logisch, dass jede geringere Gefahr hier ebenfalls verpackt werden darf, aber keine höheren Gefahren. Ergo dürfen hierin nur Stoffe mit den Verpackungsgruppen II und III verpackt werden, jedoch nicht Stoffe der Verpackungsgruppe I.

Der Leistungsbuchstabe Z sagt aus, dass diese Verpackung zur Aufnahme oder Verpackung von Stoffen mit geringer Gefahr, also maximal Verpackungsgruppe III, geeignet ist.
Da der Leistungsbuchstabe Z bereits die Verpackung der geringsten Gefahr darstellt, dürfen hierin nur Stoffe der Verpackungsgruppe III verpackt werden, nicht jedoch Stoffe der Verpackungsgruppen I und II.

Die vorangegangenen Aussagen finden Sie zur einfacheren Übersicht in den nachfolgenden Tabellen:

Bei Verwendung von zugelassenen Gefahrgutverpackungen sind welche Verpackungsgruppen erlaubt:

Gefahrgutverpackung mit
Leistungsbuchstaben
Erlaubte
Verpackungsgruppen
Verbotene
Verpackungsgruppen
X-VerpackungI, II und III
Y-VerpackungII und IIII
Z-VerpackungIIII und II

Bei welcher Verpackungsgruppe dürfen Gefahrgutverpackungen mit welchen  Leistungsbuchstaben verwendet werden:

VerpackungsgruppenZu wählende Gefahrgutverpackungen
mit Leistungsbuchstaben
Verbotene Gefahrgutverpackungen
mit Leistungsbuchstaben
IXY und Z
IIX und YZ
IIIX, Y und Z

Die Bestimmung der richtigen Verpackungsgruppen ist die Voraussetzung zur Auswahl der richtigen Gefahrgutverpackungen. Diese und andere Voraussetzungen führen zu einem sicheren Gefahrguttransport, der in unser aller Interesse liegt.

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Gefahrgut heißt deshalb Gefahrgut, weil es wirklich gefährlich ist.

Es gelten immer die jeweils gültigen Fassungen nach ADR, ICAO-TI, IATA DGR und die nationalen Bestimmungen und Gesetze.

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