Zusammenverpackung

Zusammenverpackung
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Zusammenverpackung oder auch All packed in One

Unter Zusammenverpackung ist im Gefahrgutrecht zu verstehen, dass Gefahrgüter unterschiedlicher Gefahrgutklassen in eine gemeinsame Verpackung verpackt werden.

Nehmen wir als Beispiel ACETON (Gefahrgutklasse 3) und NATRIUMHYDROXIDLÖSUNG (Gefahrgutklasse 8).

InnenverpackungBeide Flüssigkeiten sind jeweils in so genannte Innenverpackungen verpackt. Aus welchem Material diese bestehen dürfen, ergibt sich aus der jeweiligen Verpackungsvorschrift. Darüber hinaus müssen diese Verpackungen nach CLP-VO (EG) gekennzeichnet sein – hier durch die angebrachten GHS-Label zu erkennen.

Wir möchten diese unterschiedlichen Gefahrgüter in eine gemeinsame Verpackung verpacken. Dürfen wir das überhaupt? Um das feststellen zu können, bedienen wir uns der Tabelle Zusammenladeverbote aus Kapitel 7.5.2.1 des ADR.

Hinweis: Um die nachfolgenden Tabellen besser lesen zu können, klicken Sie einfach darauf. Das jeweilige Bild wird dann automatisch vergrößert.

Zusammenladeverbot

Wir suchen in der linken Spalte, Gefahrzettel, den Eintrag 3 als Gefahrgutklasse (7. Zeile von oben) und gehen in dieser Zeile solange waagerecht nach rechts, bis wir auf die senkrechte Spalte der Gefahrgutklasse 8 treffen (vorletzte Spalte). Im Schnittpunkt dieser Zeile und Spalte finden wir ein grünes Kästchen, das für „Erlaubt“ steht. In der originalen Tabelle steht ein X, das die Erlaubnis kennzeichnet.

Sollte es sich um Stoffe der Gefahrgutklasse 1 handeln, ist außerdem auch die folgende Tabelle aus Kapitel 7.5.2.2 des ADR zu berücksichtigen.

Zusammenladeverbot Verträglichkeitsgruppen

Die vorstehenden Tabellen gelten nur für das Zusammenverpacken und Zusammenladen nach den ADR Vorschriften.
Sollen aber die Bestimmungen für einen Lufttransport herausgefunden werden, ist die Tabelle 9.3.A der IATA DGR anzuwenden, wie sie nachstehend abgebildet ist.

Tabelle 9.3.A IATA DGR

Zusammenladeverbot IATA Tabelle 9.3.A

Leider gibt es hier Unterschiede im Vergleich zum ADR. Z.B. ist die Zusammenladung von Klasse 3 und Unterklasse 5.1 im Luftverkehr verboten, im ADR jedoch erlaubt. Letzteres ist für mich nicht nur unlogisch, sondern aus gutem Grund sogar höchst zweifelhaft. Weitere Unterschiede habe ich durch die Farbgebung ausgemerzt.

Die Zusammenverpackung

Okay, wir konnten also feststellen, dass die Zusammenverpackung von Aceton und Natriumhydroxidlösung erlaubt ist, und die Verpackung der beiden Gefahrstoffe kann jetzt beginnen.

Das fertiggestellte Versandstück

Zusammenverpackung

Dieses Versandstück ist nur nach den ADR Gefahrgutvorschriften markiert und gekennzeichnet.

Vorschriften für die Luftfahrt

Soll das Versandstück nach den IATA Gefahrgutvorschriften markiert werden, sind folgende Angaben zusätzlich anzubringen:

  • Name und Adresse des Versenders und des Empfängers
  • Für jedes verpackte Gefahrgut:
    Richtige Versandbezeichnung und ggfls. technischer Name
    Mengenangabe in L oder kg (wie gefordert)
    Hinweis: Sollten Gefahrgüter über Zusatzgefahren verfügen, was in unserem Beispiel nicht der Fall ist, müssen die Gefahrzettel für diese Zusatzgefahren ebenfalls auf der Verpackung angebracht werden.

Achtung: Auf der Shipper’s Declaration for Dangerous Goods muss, bei zwei oder mehr Gefahrgütern, der Hinweis auf eine Zusammenverpackung bzw. All packed in One gegeben und der Q-Wert angegeben werden – siehe nachfolgende Vorschrift!

Angabe von All packed in One und Q-Wert

Im nächsten Beitrag gehe ich auf die Umverpackung bzw. auf das Overpack ein, womit die Reihe Gefahrgutverpackungen dann abgeschlossen wäre.

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Gefahrgut heißt deshalb Gefahrgut, weil es wirklich gefährlich ist.

Es gelten immer die jeweils gültigen Fassungen nach ADR, ICAO-TI, IATA DGR und die nationalen Bestimmungen und Gesetze.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo,

    Zusammenpackung ist im ADR nur nach 4.1.10 ADR zugelassen. Die Zusammenladeverbote in 7.5.2 ADR finden keine Anwendung.

    MfG

    Christian

    • Hallo Christian,

      vielen Dank für Deinen Einwand, der natürlich vollkommen berechtigt ist.
      Als ich diesen Beitrag schrieb, war mir bewusst, dass viele Leser kein ADR-Buch zur Hand haben. Deshalb wollte ich ein gutes Anschauungsbild haben. Mit der gezeigten Tabelle ist das der Fall. Außerdem bin ich mir sicher, dass Zusammenladungen, die verboten sind, nicht in Zusammenverpackungen erlaubt sind. Deshalb ist diese Tabelle mit Sicherheit nicht als Anschauungsmaterial verkehrt, wenngleich diese in der Praxis so nicht zur Anwendung kommt. Allerdings ist das Aufzählen von Sondervorschriften, wie sie im ADR 4.1.10 zu finden sind, wenig hilfreich. Daher meine Entscheidung, dies wie gezeigt darzustellen.
      Ich hoffe, Du kannst dies unter diesem Aspekt akzeptieren.

      Viele Grüße

      Bernd Kesten

  2. Guten Tag Herr Kesten,
    alle Seiten gut gemacht, als Hilfen zum ADR wirklich gut zu gebrauchen, ich habe bislang nichts vergleichbar Gutes gefunden. (Die Schwesterseite fand ich übersichtlicher, mag aber Geschmacksache sein.)
    In den Tabellen würde ich das ‚X‘ in den grünen Bereichen beibehalten. Das macht es farbfehlsichtigen Personen leichter und wenn man das ADR oder IATA in der Hand hält, kann man das ‚X‘ mit dem dort leider fehlenden ‚grün‘ schneller und sicherer assoziieren.

    Grüße
    Bernd

    • Hallo Namensvetter Bernd,
      vielen Dank für das Lob und vor allem für den Vorschlag.
      Ganz ehrlich, daran hatte ich noch gar nicht gedacht, dass es Leuten aufgrund ihrer Farbfehlsicht schwer fallen könnte, die Tabellen zu erkennen.
      Das ist ein wichtiges Argument, und ich werde baldmöglichst die Tabellen entsprechend umarbeiten.

      Ein schönes Wochenende und viele Grüße
      Bernd

      Nachtrag vom 02.09.2017 Ich habe die Tabellen bereits überarbeitet und aktualisiert.

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